Die Bedeutung des Urmenschenfundes von Mauer, der weltweit unter dem Namen Homo heidelbergensis bekannt geworden ist

Als am 21.10.1907 ein fossiler Unterkiefer in den Sanden der ehemaligen Neckarschlinge von Mauer gefunden wurde, waren weltweit lediglich zwei weitere Urmenschentypen bekannt: Der europäische Homo neanderthalensis und der asiatische Homo erectus. Professor Dr. Otto Schoetensack von der Universität Heidelberg gab dem Fossil aus Mauer den Namen Homo heidelbergensis und stellte es somit in die menschliche Ahnenreihe. Dies ist bemerkenswert, da sich der Unterkiefer in einigen Merkmalen von demjenigen heutiger Menschen stark unterscheidet und auch gleich ein hohes Alter für den Fund angenommen wurde. Lange war er dann mit dem als gesichert geltenden Alter von etwa 600.000 Jahren der älteste Urmensch in Europa, bis in den 1990er Jahren in Nordspanien ältere Fossilien gefunden wurden. Ab etwa 1950 nahm die Zahl der Hominidenfunde, vor allem in Afrika, stark zu. Die Folge davon war ein heftiger wissenschaftlichen Streit, zwischen etwa 1960 und 1980, was ihre Namen betrifft. Man wollte, den menschlichen Stammbaum ausasten. Hierbei wäre der Homo heidelbergensis fast im Homo erectus verschwunden. Noch 1986 schreibt Donald Johanson in seinem Buch Lucy – Die Anfänge der Mensch­heit: „Der Name Homo heidelbergensis existiert nicht mehr“. Diese Tendenz hat sich zum Glück seit etwa Mitte der 1990er Jahre ins völlige Gegenteil verkehrt. Man kam in der Fachwelt überein, dass die Gruppe des Homo erectus geografisch so weit verbreitet und zeitlich so ausgedehnt ist, dass sie unterteilt werden muss. Die Folge war, dass der Homo erectus in Asien seinen Namen behielt, in Afrika und Europa jedoch einen neuen Namen bekam: Denjenigen des Urmenschen von Mauer. So kommt es, das heute, sozusagen rechtzeitig zur Feier der 100sten Fundwiederkehr, der Name Homo heidelbergensis einen wichtigen und festen Platz im Stammbaum der Menschen einnimmt.